Lebenslauf von Jean-Baptiste Stahl

Tafel am Haus der Grosseltern

Jean-Baptiste Stahl wurde am 20.06.1869 in Oberbetschdorf geboren. Es handelt sich um eine etwa 4000 Seelen zählende Gemeinde im elsässischen Département "Bas-Rhin" in der Region "Grand Est" in Frankreich. Seine Eltern waren Louis Stahl und Marie Anne Braun und er war das 5. von insgesamt 12 Kindern.

Die "Keramikmetropole" Betschdorf ist bis heute bekannt durch seine Keramiktöpfer und bereits 1717 ließ sich dort der erste Töpfer (Familienname Spitz) nieder. Zu Hochzeiten lebten hier 36 Töpferfamilien, die mit dieser Arbeit ihren Lebensunterhalt verdienten.

So ist es nicht verwunderlich, dass auch die Familie Stahl in Betschdorf diesem Handwerk nachging. Der Vater von Jean-BaptisteNachweis Aufenthalt Strassburg Stahl war ebenfalls Töpfer und so kam er bereits von klein auf mit dem Werkstoff "Ton" in Berührung. Ideale Voraussetzungen also, um zu einem späteren Meister des Modellierens aufsteigen zu können, wobei jedoch seine außergewöhnliche handwerkliche und künstlerische Begabung ein weiterer wesentlicher Aspekt dafür gewesen ist.

Bereits im Alter von 17 Jahren besuchte er erfolgreich die keramische Fachschule in Grenzhausen-Höhr (im Westerwald), wo er sich im Modellieren, Zeichnen und Stil- / Farbenlehre ausbilden ließ.

Was er nach seiner Ausbildung an der Fachschule bis zu seiner späteren Tätigkeit für Villeroy & Boch machte, ist nicht eindeutig belegbar. Es gibt aber Hinweise in seinem persönlichen Notizblock, dass er sich eine gewisse Zeitlang in Strassburg aufgehalten haben muß (Siehe Abbildung rechts).

Am 1. April 1895 begann er schließlich mit seiner Tätigkeit als Modelleur für das Unternehmen "Villeroy & Boch" in Mettlach. Seine Arbeit dort war mit großen Erfolgen und Aufstieg gekrönt, insbesondere die Vorstellung seine Phanolith-Arbeiten auf der Pariser Weltausstellung im Jahre 1900 auf dem Messestand der Firma. Im April 1920 wurde er für 25 Jahre treue Dienste für das Unternehmen geehrt.

Mit seiner Frau Barbara Angelika Bausch, die er am 21. Spetember 1896 heratete, hatte er insgesamt 5 gemeinsame Kinder, wobei eine Tochter als Kleinkind verstarb. Sein ältester Sohn Hans erlernte ebenfalls das Handwerk als Modelleur und war ab 1913 in derKeuchingen Haus Keuchingen Reliefplatten Mettlacher Steingutfabrik beschäftigt.

In Keuchingen (gegenüber dem Unternehmen Villeroy & Boch, auf der anderen Saarseite) baute er 1909 in der Saareckstrasse 13 ein Wohnhaus, was heute noch existiert. Sehenswert sind die von ihm selbst entworfenen und signierten Reliefplatten an der Hausfassade.

Am 31. Januar 1932 verstarb Jean-Baptiste Stahl in seinem Wohnhaus ganz plötzlich im Alter von 62 Jahren, gerade mal einige Monate in Rente, im Beisein seiner Familie.

KLEINE ANEKDOTE:

Haus der GrosselternBei der Recherche nach Vorfahren von Jean-Baptiste Stahl hatte ich mich im Frühjahr 2017 gemeinsam mit meiner Frau nach (Ober-) Betschdorf aufgemacht. Ziel war es das Großeltern- und Elternhaus des Künstlers zu finden, die immer noch existieren sollen.

Vom Haus der Großeltern hatten wir ein Bild und die Hausnummer (rue de Potiers 35). Dieses war relativ schnell gefunden. Das Gebäude war in einem für das Alter guten Zustand. Deutlich konnte man die Tafel an der Front mit den Inschrift "DAS HAUS BAUT FRANZ STAHL UND MARIA ANNA BASCHING ANNO 1829" erkennnen. Das Haus war anscheinend nicht bewohnt, zumindest konnte ich keinen Briefkasten oder Namenschild finden.

Vom Elternhaus hatten wir lediglich ein Bild und trotz intensiver Suche kein Haus entdecken können, was dem Objekt auf dem Bild auch nur annähernd entsprach. So versuchten wir durch Befragen von Bewohnern des Ortes einen Hinweis zu bekommen. Erstaunlicherweise war keinem der Befragten (einige hatte das Rentenalter schon lange erreicht) die Familie Stahl geschweige denn dessen Wohnhäuser bekannt. Nach etwa 2 Stunden und einem langem Fußweg quer durch den Ort hatten wir die Hoffnung bereits aufgegeben und gaben uns mit der Vermutung zufrieden, dass das Haus wahrscheinlich abgerissen wurde oder durch Modernisierungen nicht mehr zu erkennen war. Einem Hinweis von einem Passanten im Ort wollten wir doch noch nachgehen. Dieser schlug uns vor, dass wir uns an das "Musee de la Poterie de Betschdorf" wenden sollten. Dort hätte vor einiger Zeit mal eine Ausstellung von den Arbeiten des Jean-Baptiste Stahl stattgefunden. Also begaben wir uns in die "Rue de Kuhlendorf Nr. 2", wo das Museum in einem schönen, alten Fachwerkhaus untergebracht war.

An der Kasse am Eingang wurden wir sehr freundlich von einer Dame begrüßt und ich versuchte mit meinen wenigen Französischkenntnissen, unser Anliegen verständlich zu machen. Leider konnte Sie selbst nichts zu dem Elternhaus von Jean-Baptiste Stahl sagen, da Sie erst seit kurzem in dem Museum arbeitet, aber Sie würde mich gerne mit einer Frau bekannt machen, die sich seit Jahren um das Museum kümmert. Sie nahm sogleich den Telefonhörer in der Hand und ich hörte wie Sie auf französisch mit jemanden sprach. Dann legte Sie wieder auf und sagte, dass in etwa 15 Minuten eine Frau Wolffer vorbeikommt und unsere Fragen beantworten wird. Es dauerte nicht einmal 15 Minuten und Frau Wollfer (Vorname: Astrid) und ihr Mann Jean-Claude öffneten die Eingangstür zum Museum. Wir begrüßten uns herzlich und begannen dann gemeinsam im vorliegenden Kartenmaterial über Betschdorf das Elternhaus von Jean-Baptiste Stahl in Betschdorf (was Frau Wolffer selbst auch nicht kannte) ausfindig zu machen.

Leider hatten wir kein Glück. Frau Wolffer gab aber noch den Hinweis, dass wir in der "Rue de la Poterie" mal nachschauen sollten. Wir tauschten dann noch die eMail-Adressen aus und meine Frau und ich begaben uns dann zu Fuß (etwa 20 Minuten vom Museum entfernt) in die "Rue de la Poterie". Dort angekommen gingen wir die Strasse ein paar Mal rauf und runter, aber kein Haus glich auch nur annähernd dem auf dem Bild, das wir zum Vergleich dabei hatten. Also versuchte ich es ein letztes Mal mit der Befragung von Dorfbewohnern, die in dieser Strasse wohnten. Aber auch dies half nicht, niemand (auch nicht die älteren Personen) kannten das Haus auf dem Bild.Haus der Eltern Betschdorf

Enttäuscht, mit dem Gefühl einen ganzen Nachmittag vergeudet zu haben, begaben wir uns auf den Rückweg zu unserem Auto, um nach Hause zu fahren. Dieses stand nur etwa 50 Meter von der "Rue de la Poterie" entfernt, in der "Vielle Rue" (früher auch Dorfstrasse genannt). Als wir dann gemeinsam im Wagen saßen und einen letzten Blick auf die umgebenden Fachwerkhäuser warfen, fiel uns ein Haus auf, das am Giebel zur Strasse hin mit 2 neuen Vordächern versehen war. Ich sagte meiner Frau, Sie solle das Foto des Elternhauses mal vorholen und wir hielten das Foto vor uns und schauten abwechselnd auf das Haus und auf das Foto. Meine Frau verglich das Balkenmuster und ich schaute mir die Dachkonstruktion mit Fenstern und Schornsteinen an.

HEUREKA, das war das Haus, unverkennbar, nur mit den neuen Vordächern schwer zu erkennen.

Es befand sich die ganze Zeit schräg gegenüber unserem Parkplatz an der Strasse, nicht einmal 20 Meter entfernt, in der "Vielle Rue Nr. 12".

Damit war unser Ausflug nach Betschdorf im Elsaß doch noch von einem vollen Erfolg gekrönt.

Die wichtigsten Daten zusammengefaßt:

  lebenslauf JBS

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